Bällebad

Reisebericht vom 22.06.2016

Old easy rider on tour

oder drei Typen unterwegs  Teil 3

Heute ist Mittwoch, 22.6. und wir sitzen zu Hause in Bad Zwischenahn, von wo wir am Mittwoch, 8.6. gegen 11.30h gestartet sind. Gestern Abend um 17.50h sind wir hier wieder eingetroffen und hinter uns liegen – ich nehme die Spannung gleich einmal heraus – 3.309 km auf unserer Tour rund um Deutschland, von deren letzter Etappe nun der Bericht kommt.

Start am Samstag in Frauenfeld/Schweiz – der Abschied von Freund H. fällt schwer, nicht nur weil er uns diese 1 ½ Tage so liebevoll und großzügig gestaltet hat – mit Schaffhausen als nächstem, ersten Haltepunkt, wo wir beeindruckt den Rheinfall bestaunen dürfen, der nach den Regentagen gewaltige Wassermassen bewegt und die Schiffchen zu seinen „Füßen“ wie Nussschalen in höchster Not erscheinen lässt. Selbst auf die Entfernung von der Aussichtsterrasse haben diese Wassermassen etwas Bedrohliches.

Inzwischen an die schweizerische Ausschilderung gewöhnt passieren wir ohne weitere Umwege in Stühlingen die Grenze und nehmen Kurs auf den Schwarzwald, dessen intensiven Tannenduft man sogar auf dem Motorrad in Fahrt wahrnimmt. Schluchsee, Titisee und Kurven zuhauf lassen unser Herz begeistert jauchzen.
Und da es entgegen der Vorhersage trotz dunkelster Wolken, die uns ständig begleiten, trocken bleibt, genießen wir den Kaffee am Park in Titisee und setzen dann die Fahrt nach Offenburg fort.
Dort finden wir durch die Vermittlung im Hotel „Sonne“, das wir gerne gebucht hätten, aber leider alles besetzt hatte, ein Hotel, das unseren Motorrädern sogar einen Garagenplatz bot, was angesichts des reichlichen Regens in der Nacht hochwillkommen war. Bei einem freundlichen Schwätzchen mit einer Gruppe älterer Offenburger, die uns interessiert ansprechen nach dem Woher und Wohin, erhalten wir den Hinweis auf ein lobenswertes italienisches Restaurant gleich am Hauptplatz.

Wir bereuen es nicht, diesem gefolgt zu sein und genießen nach einem reichen Antipasti-Teller einen großen Haufen knuspriger Calamares mit köstlich gewürzten Linguini. Dazu auf den Durst zwei große Pils, nachdem wir klären konnten, dass wir diese und nicht noch „Pizze“ haben wollten. Es bewährt sich, sprachlich präzise zu sein. 

Nach Kehl an der französischen Grenze – inzwischen die fünfte nach Polen, Tschechei, Österreich und Schweiz, an der wir entlang fahren bzw. die wir passieren – über Rastatt und Karlsruhe dann durch die Pfalz nach Rheinhessen, wo wir in einem kleinen Weindorf ca. 20 km südlich von Mainz eine abenteuerliche Absteige im „Pfälzer Hof“ finden. Alles sehr gefüllt mit Gerümpel, Zimmer und Bad mehr als bescheiden und eng, aber sauber und ordentlich.

Dann aber in den Gasträumen mit äußerst freundlicher Bewirtung können wir gestärkt durch ein hervorragendes Pferdesteak den Abend bei herrlich frischem Bier und EM-Fernsehen genießen, die mundartlich stark eingefärbten Kommentare der übrigen Zuschauer aber kaum verstehen. Zuvor ermöglicht uns der Chef des Hauses – ein überaus freundlicher Tausendsassa mit einer bewegenden Lebensgeschichte, die wir miteinander austauschen – noch, dass unsere Motorräder im Hausflur untergestellt werden können, so dass wir nur das Nötigste abtakeln mussten.

Strahlender Sonnenschein weckt uns am nächsten Morgen und so geht die Fahrt flott über Mainz, Wiesbaden und Limburg in den Westerwald, der heute auf seinen Höhen so gar nicht kalt ist, sondern uns nur die herrliche Landschaft  genießen lässt. Siegen und Siegener Land mit reichlich Hinauf und Hinunter sowie das nachfolgende Sauerland mit seinen kurvenreichen Straßen sind eine willkommene Herausforderung, die uns dennoch noch eine Pause abnötigt, um uns die Beinen zu vertreten und die Sitzfläche vorübergehend zu entlasten.

Pünktlich um 18.00h mit Erreichen von Paderborn setzt der angekündigte Regen ein, so dass wir froh sind gleich am Ortsanfang ein Hotel zu finden, wo wir uns nach diesen knapp 300 km regenerieren können. Rundum Erfrischung belebt unsere Geister, so dass wir anschließend guter Laune durch den Regen laufen, um im Stadtinneren auch unseren Energiebedarf zu decken, was wieder bei einem sehr gastfreundlichen Italiener erfolgt, wo wir auch den Spielen der EM folgen können.

Ansage für den 21.6. ist viel trüber Himmel mit reichlich Schauerneigung, so dass wir kurz überlegen, noch einen Tag zu bleiben. Doch am nächsten Morgen nach einem reichen Frühstück satteln wir auf – es regnet natürlich gerade in diesem Augenblick wieder ausgiebig – und fahren dann doch auf unsere letzte Strecke, die uns nicht wie eigentlich geplant nach Westen an die holländische Grenze führt, da dort ganz viel Regen und schlechtes Wetter angesagt ist.

Aber fahren tun wir doch, allerdings streng nach Norden. Dieser entschlossene Mut wird belohnt, es klart auf und in Osnabrück scheint eine strahlende Sonne, die uns zu einer gemütlichen Pause einlädt.

Weiter über Bersenbrück, Quakenbrück und Cloppenburg erreichen wir das Oldenburger Münsterland, passieren den Küstenkanal in Edewechterdamm und sind nach genau zwei Wochen wieder da, wo es angefangen hat.

Froh und dankbar, dass alles gut gelaufen ist und ohne Schaden, aber doch etwas wehmütig, dass es schon vorbei ist und dieses Gefühl von Freiheit und auch  Abenteuer erst einmal wieder dem üblichen Alltag weichen muss. Rundum haben wir drei diese Tour von ganzem Herzen genossen, die Stressbelastung durch das Quartierfinden auch als einen dazugehörigen Teil verbucht und das Erleben von Achtsamkeit und Verlässlichkeit für einander als Gewinn und Geschenk empfunden.

Dass es nunmehr durch die Großzügigkeit unserer hoffentlich zahlreichen Sponsoren nun auch noch zu einem Gewinn für unsere Zwerg Nase-Kinder werden wird, ist ein zusätzliches dankbar angenommenes Geschenk.

Und nun weiter mit unserm Rollo…

Schon mächtig unruhig und ungeduldig hatte Rollo am Morgen unserer Abfahrt aus Frauenfeld schon seinen Sitz auf meinem Rucksack erklommen und feuerte, ja trieb uns richtig an, wir sollten doch mal ein bisschen schneller in die Gänge zu kommen, der Tag sei kurz, Zeit wär‘ Geld, und so ging das in einem fort. Nun ja, man sieht, so manche Sprüche unserer Menschwelt hatte er bereits übernommen.

„Draußen scheint die Sonne und wir haben ja noch viel vor heute“, grummelte er vor sich hin und bemerkte gar nicht, dass wir noch jede Menge einpacken mussten. Hatten wir an unserem Ruhetag doch so einiges ausgelagert, was es jetzt wieder sinnvoll auf die vielen Taschen zu verteilen galt. Um den kleinen Quälgeist, der er manchmal wirklich sein konnte, ein wenig zu beschäftigen, fragten wir ihn, ob sich Günther und Erna nicht noch über einen letzten Besuch von ihm freuen würden und er sich bei der Gelegenheit vielleicht auch von ihnen verabschieden wollte. Bei all der Aufregung, die der nahende Aufbruch verursachte, hatte er die beiden vollkommen vergessen, sprang sofort auf und rannte laut krakeelend in die Küche, wo die beiden auf ihrem angestammten Platz gerade vor sich hin dösten, sich aber sichtlich freuten, als Rollo hinein gestürzt kam.

Dann war es endlich soweit. Alle Sachen waren gepackt und fest auf unseren Motorrädern verzurrt und es galt endgültig Abschied zu nehmen. Wir bedankten uns bei Hans für die schöne Zeit bei ihm und brachen auf. Ich war schon ein wenig froh darüber, als ich den Helm aufsetzte und das Dröhnen des Motors meiner Maschine das unentwegte Geschrei von Rollo wenigstens etwas übertönte.

Huiiihhh, was war das bloß für ein riesiges Wasser, an dem wir gehalten hatten und Rollo völlig baff dieses Schauspiel beobachtete, das sich uns hier bot und uns alle, ja wirklich und wahrhaftig alle, für einen kurzen Augenblick verstummen ließ. Rollo aber fand sich allerdings recht schnell wieder und völlig aus dem Häuschen krakeelte er noch in meinem Helm sitzend los, in dem er sich stets von uns bei unseren Ausflügen herumtragen ließ. Manchmal nervte mich das schon ein bisschen, v.a. weil ich seine ewigen Kommandos so nur schlecht verstehen konnte und dann immer wieder nachfragen musste. Es war der berühmte Rheinfall von Schaffhausen und ein wirklich beeindruckendes Naturschauspiel. Die Sonne strahlte vom Himmel und es war uns eine willkommene kleine Pause.
Den Grenzübertritt  zurück nach Deutschland verpennte er anschließend einfach und war dann bei der Rast in Titisee ganz freudig überrascht, dass wir schon so weit vorangekommen waren. So strahlte er über beide Backen, ohne seine Schlitzohren hätte er im Kreis lachen können. Und er posierte ganz stolz im Park vor dem großen Wegweiser mit den ganzen Infos für all die vielen Touristen, gerade so, als ob er es gewesen wäre, der uns so flott vorangebracht hätte.

Aber auch wir freuten uns über seine gute Laune, hatten wir ihn doch schon so häufig eher nachdenklich und immer wieder sogar traurig erlebt. So blieb er die ganze weitere Fahrt hellwach, kommentierte in einem fort die herrliche Gegend des Schwarzwaldes und war auch bei einer erzwungenen Rast eines sturzbachartigen Regens wegen nicht zum Schlafen zu bewegen, war aber dann in Offenburg so kaputt, dass er im Hotel angekommen, sofort ins Bett taperte und umgehend eingeschlafen war.

Regen, Kälte und der einfach trübe nächste Morgen waren für ihn zunächst so schrecklich; er habe niemals so sehr gefroren und was hat er geschimpft. Am Ende dick eingepackt, war es für ihn gerade noch erträglich. Dann aber lugte kurze Zeit später die Sonne hervor und er verlangte ebenso lautstark nach seinem Sitz auf meinem Rucksack hinter mir auf dem Motorrad und dass ich ihn ja fest anschnallen sollte. Manchmal, wirklich nur manchmal war er schon etwas anstrengend, aber wahrscheinlich sind es andere kleine Tiger ebenso und wir hatten ihn ja mittlerweile lieb, ja sehr lieb gewonnen.

Bereits an sehr unterschiedliche Quartiere gewöhnt, war er doch überrascht, als wir in einer Gaststätte abstiegen, die so ganz anders war als alle anderen, die wir bis dahin mit ihm betreten hatten. Ein herrliches Durcheinander war da überall zu finden, in verschiedenen Gängen und auf Treppen, die da waren, konnte er alles Mögliche an Gerümpel ausmachen, bevor wir überhaupt in unser Zimmer fanden, das zwar sauber war – da war er stets sehr pingelig und meckerte herum, wenn nicht alles stimmte – aber auch unserem kleinen Halunken außerordentlich eng vorkam. Noch mehr wunderte er sich, dass unsere Motorräder im Hausflur geparkt wurden, fand das aber dann doch ganz lustig und thronte erwartungsfroh auf Joe`s Tank, ehe er zur Abfahrt wieder seinen Stammplatz auf dem Rucksack einnahm.

In Paderborn angekommen hörte Rollo ganz aufmerksam, für ihn ungewöhnlich aufmerksam zu, als Michael ihm erzählte, dass er dort geboren sei, als kleines Kind in den ersten Nachkriegsjahren dort gelebt habe und hier auch zur Schule gegangen wäre. Und dann prasselten wieder seine nicht enden wollenden Fragen: „Was heißt hier geboren? Warum lebst Du nicht hier? Was ist Krieg? Wieso nur kurze Zeit Schule?“ usw., so dass Michael sich auf seine Unterlippe biss und die Augen schloss, weil er sich ärgerte, überhaupt etwas gesagt zu haben. Nicht weil er Rollo das nicht alles nach und nach erklären wollte. Aber es begann zu regnen, und wir mussten schnell abbrechen, um möglichst das nächste Hotel zu erreichen und so dem größten Regenguss noch entgehen zu können. Regen fand Rollo auch nicht so Klasse und schloss er abrupt seinen Mund…, seine Schnauze…, ach, was weiß ich.

Schlimmer noch war’s am nächsten Morgen, denn der Regen war uns treu geblieben durch die ganze Nacht und hielt auch jetzt noch an. Rollo aber wollte das gar nicht wahrhaben, wollte wieder auf seinen Rucksack-Thron im Windschatten hinter mir, und es war schwer ihn davon zu überzeugen, dass solch ein Regen nicht gut für kleine Stofftiger wäre, ganz besonders solche, wie er es war. Und wirklich, ich hatte große Sorge, der Reis in seinem Hintern könnte anfangen zu quellen, und vor dem anschließenden Geschrei natürlich auch.

Es gelang mir aber, ohne Erwähnung dieser Möglichkeit ihn trotzdem zu überzeugen, und er verzog sich schließlich murrend doch in meinen Tankrucksack und zog sogar freiwillig ohne erneute Aufforderung die „Tür“ hinter sich zu.

Erst als wir in Osnabrück bei herrlichem Sonnenschein unsere Rast machten, kam er vorsichtig wieder hervor, setzte sich dann aber frohen Mutes, wieder in gewohnter Weise laut losbrabbelnd auf einen unserer Helme und nahm ein Sonnenbad. Und nicht nur das: Der wirklich gute und reichliche Kaffee reizte ihn so sehr, dass er sich ohne viel zu fragen darüber her machte und den einen Topf hörbar schlabbernd sogar ganz leer trank. Ihr erinnert Euch, auch wir beide wissen es bis heute nicht, wo so ein Plüsch-Tiger sich das hinsteckt und warum er trotzdem niemals aus der Hose muss…

Nach dieser Rast durfte er auch wieder auf den Rucksack und war dem entsprechend  noch besserer Laune. Die Zeit verging so im Fahrtwind wie im Fluge, und er nahm uns noch nicht einmal die Tankpause übel, die wir nochmals einlegten.

Erst als wir dann, in Bad Zwischenahn angekommen, noch eben etwas zu trinken für heute Abend zum Fußballspiel‘ eingekauft hatten, geriet der kleine Kerl in helle Aufregung. Wir hatten erwähnt, dass es jetzt ‚nach Hause‘ ginge und wir kurz nochmal zur Überraschung dort anrufen wollten, um den Eindruck zu erwecken, wir wären noch viel weiter weg, als wir es eigentlich waren.

Verwirrt, ja völlig durcheinander fragte er uns: „Wie Zuhause? Und warum gleich? Was soll denn nun werden, bleibt ihr jetzt hier? Und wo bleibe ich, ich habe ja immer noch nicht meine Aufgabe gefunden?!! Habt ihr mal daran gedacht, was denn nun aus mir werden soll, wo ich wohnen und was ich jetzt tun soll, wohin ich überhaupt gehöre? Häh, häähh??? Ihr habt sie wohl nicht mehr alle!!! Erst kutschiert ihr mich tausende von Kilometern, was auch immer das ist, durch die Gegend und dann peng, alles für die Katz‘, nee falsch, alles für’n Hund…..“

Doch zunächst waren das auch für seinen Kopf viel zu viele und viel zu schwierige Fragen. Er grummelte auf der kurzen Fahrt zum Hause meiner Eltern nur so vor sich hin und als wir schließlich auf den Hof rollten, war es – still…!!! Er war über all diese Fragen tief eingeschlafen, wir sahen ihm auch noch an, dass er wohl etwas geweint hatte, bevor er eingeschlafen war. Er tat uns leid, der kleine Kerl, und natürlich würden wir ihn mit seinen Problemen nicht allein lassen.

Glücklicherweise ist alles andere erst einmal vergessen, als er Eddy begegnete, dem Hund meiner Eltern. Er war zwar mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen, aber dadurch nun sogar für so einen Terrier wie ihn ruhig und weise. Und so begrüßte er auch lieb und freundlich unseren Rollo, hieß ihn herzlich willkommen  und lud ihn ein, doch zu bleiben. Das tat Rollo dann wieder hoffnungsvoll auch gerne und war ganz begeistert, als wir drinnen einen Brief von unseren Freunden aus der Schweiz fanden.

„Liebe Zwerg Nase-Reisende
Ich hoffe, dass sich Eure Weiterreise ohne größere Probleme gestaltet hat. Jedenfalls sind weitere Nachrichten bei mir eingetroffen, dank Nachtschicht von Joe.
Erna, Herbert und Günther haben sich heute beim Frühstück lange mit mir unterhalten. Wie Ihr seht, hat sich auch Mathilde dazugesellt. Erna hatte sich große Sorgen gemacht, nachdem alle meine Essensvorräte fast aufgebraucht waren. Sie sorgt sich ja gut um mein Wohl, wie Ihr ja wisst. Inzwischen ist alles wieder aufgefüllt, sie konnte sich beruhigen. Ich soll Euch fragen, wie es Rollo geht und alle lassen ihn sehr herzlich grüßen. Sie haben ihn in ihr Herz geschlossen, trotz seiner ständigen Fragen. Mathilde, die von den anderen in alles eingeweiht worden war, bemerkte dazu ganz trocken: „Ja, wenn du keine Fragen stellst, kommst du im Leben auch keinen Millimeter weiter.“ Wir haben dann noch lange über die meisten wichtigen Fragen des Lebens diskutiert. Eisbär Günther kam dann nochmals auf seine Treffen mit Kelvin zurück. Er meinte, auch wenn diese Treffen viel zu selten stattfänden, so seien sie für ihn und Kelvin außerordentlich wichtig. Besonders beeindruckt war er davon, dass Kelvin gelernt hatte, mittels seines Computers mit ihm zu sprechen. Verstehen und sich mit einzelnen Lauten verständigen, das war ja für Kelvin kein Problem. Aber mit dem Sprechen war die Verständigung dann doch viel besser. Auf jeden Fall kamen die Vier zu dem Schluss, dass langjährige Freunde etwas vom Wichtigsten sind im Leben. Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Man war auch der Meinung, dass Rollo seine früheren Freunde bald wieder aufsuchen sollte, nach Abschluss Eurer Reise. Diese hätten sich bestimmt nach seinem Weggang inzwischen große Sorgen um ihn gemacht. Vermutlich freuen sie sich schon auf seine Rückkehr, sind gespannt auf seine Reiseberichte und werden ihm ihrerseits mit vielen Fragen löchern. Das muss er dann halt aushalten.
Jeden Morgen beim Frühstück diskutieren wir lange über Euren Besuch und das ganze Leben. Also, dann bis bald mal wieder
Liebe Grüße von Erna, der Ente, Mathilde, der Maus, Herbert, dem Bär, Günther, dem Eisbär und Hans, dem Pensionär, der trotzdem noch arbeitet.“

Rollo war ganz aus dem Häuschen, hatte er doch noch nie etwas davon gehört, dass man sich Briefe schreiben konnte, also Sprache und wohl auch Gedanken irgendwie durch die Weltgeschichte auf diese Weise zu einem anderen befördern konnte. Ja, mehr noch, es konnten auch noch Gedanken darüber sein, was wohl gerade seine ehemaligen Freunde aus der Tiger-WG in Bezug auf ihn und seine Reise mit uns dachten. Das war einfach unglaublich. Doch gerade dies ließ ihn auch wiederum schwermütig werden. Denn für ihn war nun die Sache eigentlich klar gewesen – die hatten ihn rausgeworfen, weil er so war, wie nun mal eben war. Und wir wiederum kamen ja auch damit klar, dass er so war, wie er nun mal eben war. Also waren wir seine neuen Freunde geworden und die alten Freunde für ihn nicht mehr existent gewesen, wie sie auch nicht mehr für ihn da sein wollten, wie wir es waren. Er war ganz durcheinander. Wie könnten die sich jetzt vielleicht Gedanken über ihn und seine Reise machen, wie könnten sie ihn vermissen, und was bedeutete das vielleicht für ihn?

Eddy beruhigte ihn und empfahl, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Und später am Tage lernte er dann noch die beiden Kapitäne ‚Captain Morgan‘ und ‚Captain Freeman‘ kennen, die auf ihren langen Reisen über alle Weltmeere so einiges gesehen und erlebt hatten und nun die Ruhe hier im Hause nach alledem sehr zu schätzen wussten. Beide gaben zu bedenken, dass die Gemüter der Menschen in ihrer ‚Menschwelt‘ bisweilen doch auch sehr wankelmütig seien und dass dies wohl auch auf die Gemüter von kleinen Stoff-Tigern zutreffen könnte. Die Meinungen oder Gefühle müssten dann darum aber nicht falsch sein, sie konnten sich halt auch im Laufe der Zeit geändert haben.

Ich sah unserem kleinen Tiger an, dass ihn das nur noch mehr verwirrte und traurig machte. Umso mehr, als er erkannte, dass Eddy mit Unterstützung dieser beiden so lebenserfahrenen Kapitäne hier wohl alles sicher im Griff hatte und es für Rollo hier auch keine Aussicht auf neue Aufgaben geben konnte. So blieben diese bohrenden Fragen wiederum unbeantwortet. Seine eben noch vorhandene Begeisterung wich ganz schnell wieder einer Verzweiflung, ja einer Angst davor, dass es da draußen wohl doch nicht das geben würde, wonach er so lange gesucht hatte, das konnte ich sehr deutlich sehen. Auch waren Michael, der Kleine hatte mich schon darauf angesprochen und ich die Antwort schuldig geblieben, hier wieder ‚zuhause‘ zu sein. Er war kein anderer geworden, aber irgendetwas war anders. Die Gemeinschaft von uns Dreien hatte sich verändert, und es war nicht mehr Dasselbe, wie auf unserer Fahrt, das spürten wir alle drei.
Und so sagte ich ihm, dass meine Reise noch nicht zu Ende war. Ich müsste schon zwei Tage später mit meinem Motorrad ins Krankenhaus fahren und dann schließlich auch wieder nach Struvenhütten zurück zu meinem Zuhause. Und ich sah ein Leuchten in seinem Gesicht, das mich erleichterte, auch wenn ich mich schon vor der notwendigen Erklärung des Begriffes ‚Krankenhaus‘ fürchtete.

Wir beide würden zusammen fahren und zusammen bleiben, bis auch der Kleine seine neue Aufgabe gefunden hätte. Vielleicht würden wir auch mal einen kleinen Abstecher nach Lübeck zu seiner alten Tiger-WG machen, denn Lübeck wäre nicht weit von Struvenhütten weg.

Wir würden zusammen fahren, denn, so verschieden wir beide auch waren, wir waren Freunde geworden, entschlossen füreinander einzustehen….

 


Zwerg Nase:  Wir pflegen mit Herz weil Du einzigartig bist