Bällebad

Reisebericht vom 12.06.2016

‚Rollo der Ratlose‘ sucht eine neue Bleibe…

„Liebe Kinder, liebe Eltern, Mütter und Väter, Schwestern, Brüder und was ihr da sonst noch in eurer Menschwelt so haben solltet…“
So oder so ähnlich würde wohl Rollo, der kleine Kerl, den wir auf unserer Reise so unerwartet aufgelesen haben, unseren Bericht bzw. unsere Geschichte eingeleitet haben. Auf alle Fälle begleitete er uns seit der ersten Station in Lübeck auf unserer schon seit langer Zeit immer wieder angedachten Motorrad-Tour und das nicht ohne Konsequenzen, denn sein Problem sollte auch uns in gewisser Weise beschäftigen, und daher möchte ich auch die Geschichte über diesen unseren Begleiter erzählen, aber dazu später…

Old easy rider unterwegs rund um Deutschland für ZWERG NASE

Liebe Freunde und Sponsoren,
gestartet sind wir – mein Sohn Johannes, genannt Joe und ich – zu dieser Rundfahrt mit dem Motorrad am 8.6. von Bad Zwischenahn, haben am ersten Tag „nur“ 250 km durch Wesermarsch, Wesertunnel und Elbfähre nach Glückstadt bewältigt und sind abends in Struvenhütten in der Nähe von Kaltenkirchen bei Joe zu Hause gelandet, um noch einige Ausrüstungsergänzungen vorzunehmen, u.a. einen PC, um auch an der EM teilnehmen zu können, wo auch immer wir in einem Quartier landen werden. Joe ist ein IT-Experte und kann all solche Dinge realisieren.

10.30h am 9.6. sind wir dann weiter nach Osten aufgebrochen. Sie alle wundern sich, dass wir nun andersherum fahren. Nun, das hat seinen Grund in den Wetterprognosen, die im Westen viel Regen und Gewitter vorausgesagt hatten und der Osten wesentlich stabiler zu sein schien.
Also über Bad Oldesloe nach Lübeck, wo wir – Joe wird darüber ausführlich berichten – dann plötzlich zu Dritt auf der Tour wurden und so ein bisschen auch ZWERG NASE-Gefühl bei uns haben. Weiter auf der Landstraße nach Dassow und über Klütz am Rande der Ostsee nach Wismar.
Rostock als nächste Station nervte uns Motorradfahrer mit einem endlosen Stau durch die Stadt, was uns ca. eine Stunde und viel, viel Geduld kostete und mein Motorrad – eine 33 Jahre alte CX 500 C von Honda – fast zum Kochen brachte. Somit übernachteten wir als sehr späte Überraschungsgäste in der Jugendherberge in Ribnitz-Damgarten zum Seniorentarif, bestens aufgehoben.
Trüber Himmel, heftiger Sturm und kühle Temperaturen – gestern und vorge-stern waren wir von der Sonne verwöhnt – hielten uns dennoch nicht länger vor Ort, sondern beschleunigten eher die Fahrt über Stralsund, Greifswald – erste Rast – nach Anklam, Pasewalk, Löcknitz/Stettin, Schwedt (Oder) und Angermünde nach Bad Freienwalde, wo wir ganz sicher ein freies Hotelbett erwartet hatten. Absolute Fehlanzeige und nach 320 km gegen 20.30h kein sehr gutes Gefühl!!!Aber das Glück war mit uns dreien und in einem Haus einer evangelischen Schwestern- und Bruderschaft „Malche“ am Ortsausgang fanden wir freundliche und ausnehmend hilfreiche Menschen, die uns um diese Zeit nicht nur ein Bett, sondern auch noch zu essen gaben, für einen Unterstellplatz für die Motorräder sorgten und uns ganz wie selbstverständlich aus dieser wirklich prekären Lage erlösten.
Heute Abend (Samstag 11.6.) nach flotter Fahrt in strahlendem Sonnenschein sind wir im zauberhaften Görlitz gelandet, haben ein prima Hotel gefunden mit wieder sehr hilfreichen Gastleuten und werden uns in dieser Stadt und für noch anstehende Aufgaben einen Ruhetag gönnen. Die Fahrt heute ging über ein wirklich graues Frankfurt/Oder, Eisenhüttenstadt, Guben, Forst, Bad Muskau und Niesky, also immer hart an der polnischen Grenze, wo auf deutscher Seite alle Orte auch ihre polnischen Namen tragen, eine wirklich wegweisende nach-barschaftliche Geste.
So das ist es bis heute und wir haben nach 4 Tagen die ersten knapp 1200 km bewältigt, sind in guter Verfassung und genießen diese Fahrt durch herrliche Landschaften voller Klatschmohn, Kornblumen, mit Blicken auf Seen und Meer, durch unendliche Wälder und nicht enden wollende Alleen aus Kastanien, Linden und Eichen. Eine besondere Bereicherung und Herausforderung ist unser Dritter im Bunde, über den Joe, der ihm besonders nahe steht, nun berichten wird.

Und nun zu Rollo, dem Ratlosen…

‚Rollo, der Ratlose‘, das war sein Name, den ihm seine „Freunde“ aus der  Wohn-gemeinschaft seinerzeit gegeben hatten. Aus dieser WG war der kleine Kerl, als wir ihn in Lübeck trafen, jedoch gerade rausgeflogen, weil die anderen einfach keinen ‚Bock‘ mehr auf ihn gehabt hatten. Er ist ein kleiner Tiger und hat viele, viele Fragen, weshalb er von den anderen Tigern auch ‚der Ratlose‘ genannt worden war und so war eben diese seine Neugier ihm eben am Ende auch zum Verhängnis geworden. Eigentlich war er immer ein fröhlicher kleiner Tiger gewesen. Und so fanden wir ihn auch entsprechend sehr niedergeschlagen in Lübeck auf einer Tankstelle vor, beschäftigt mit noch mehr Fragen, aber plötzlich ohne Aussicht auf eine bessere Zukunft. Er suchte nun eine neue Bleibe, eine neue Aufgabe und, ja, einfach auch neue Freunde. So verzweifelt, brauchten wir ihn auch kein zweites Mal zu fragen, ob wir ihm denn irgendwie weiter helfen könnten, und schon saß der Knirps auf dem Rucksack hinten auf meiner Maschine.
Trotz der nicht geringen Überraschung wurde uns doch sehr schnell klar, dass das doch zu unserem Programm – Benefiztour für ZWERG NASE – haargenau passte und wir ihm zumindest für die Tour bei uns ein Zuhause geben mussten, wie es unsere Kinder auch im Zwerg Nase-Haus immer wieder oder auch für immer gefun-den haben. Schwieriger war es, seine vielen Fragen zu beantworten und seine Befremdung durch die Regeln und Gebräuche der Menschen, „der Menschwelt“ wie er darauf bestand, weil es ja auch Tierwelt heißt und wir einfach nicht erklären konnten, warum das so anders heißt.
Ganz schön anstrengend so ein kleiner Tiger voller Fragen, voller Ratlosigkeit über seine Situation und immer wieder mit so traurigem – oder doch eher träumerischem – Blick in die Zukunft. Die Bilder, die ich von ihm gemacht habe, zeigen ihn in seiner Ratlosigkeit, seiner wachen Neugier, seiner Verwirrung über die Dinge in der „Menschwelt“ und seine Müdigkeit, wenn ihm das alles über seine Schnurrhaare ging. Wenn es ihm dann allzu arg wurde, zog er sich auch immer wieder gerne mal zurück, nach Möglichkeit in meinen möglichst unbesetzten Helm…
Doch inzwischen hat er sich ein wenig an uns gewöhnt, so dass die vielen Fragen nach dem Wieso, Warum und Wozu eher mehr als weniger geworden sind, gerade so wie es auch unsere Kinder im Zwerg Nase-Haus signalisieren und uns mit ihrer wachen Neugier immer wieder überraschen.
Aber lieb gewonnen haben wir ihn schon sehr!

Zwerg Nase:  Wir pflegen mit Herz weil Du einzigartig bist